Die tägliche Routine: Wie du beim Schreiben achtsam bleibst

Du kennst die Themen in- und auswendig? Weißt, was Führungskräfte und Fachabteilungen bei Texten einwenden? Hast den Unternehmens-Sprech verinnerlicht? Herzlich willkommen im Club der alten Hasen. Oder fühltst du dich manchmal wie eine lahme Ente? 3 Tipps, wie du kreativ bleibst.

Ein gezeichnetes Tier, das von links betrachtet eine Ente darstellt und von rechts betrachtet einen Hasen

Nicht falsch verstehen: Bei "alter Hase" schwingt viel Anerkennung mit. Schließlich steht der Begriff für "gewieft und clever sein". Du hast also etwas drauf, hast etwas geleistet, dich ausgezeichnet. Die Redewendung stammt aus der Zeit, in der vor allem Hasen bei der Jagd geschossen wurden - so dass nur sehr flinke und kluge Tiere alt wurden. Auch der Ausdruck "Wissen, wie der Hase läuft" rührt hierher.

Kreative Menschen haben ein erhöhtes Risiko im "Alter" zu lahmen Enten zu mutieren.

Schuld ist die Routine. Der alte Hase (auch die alte Häsin) ist clever und weiß, wie man ins Ziel kommt. Die lahme Ente (auch der lahme Enterich) hingegen ist nur noch routiniert: Ihre Texte gehen in der Informationsflut unter.

Kafkas "Gregor Samsa" erwacht eines Tages als riesengroßer Käfer. Die Transformation vom alten Hasen zur lahmen Ente hingegen ist schleichend und kann jeden befallen ...

Es gibt Warnsignale


1. Schreibblockaden sind dir fremd?

Schnell und ohne Mühe einen knackigen, lebendigen und spannenden Text formulieren: Klingt zu schön, um wahr zu sein? Tatsächlich gelingt das äußerst selten. Denn um ein Thema auf neue, interessante Weise erzählen zu können, braucht es diese Phase des Stockens: Ein sich Unwohlfühlen, Herantasten, Ausprobieren, Verwerfen ...

Alte Hasen wissen, bei welchen Themen es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen und bei welchen nicht. Die lahme Ente zieht stets die gewohnten Register und formuliert schnell und einfach einen gefälligen Text. Diesem fehlt es jedoch zwangsläufig an Tiefe und Originalität.


Feiere jede Schreibblockade!

Sie ist ein deutliches Signal für deine Schaffenskraft, für deinen Willen, deine Leser zu begeistern. Kreiere ab und an Blockaden - zum Beispiel, indem du dir selbst verbietest, wie gewohnt einzusteigen.


2. Friede-Freude-Eierkuchen bei der Freigabe

Bei der Freigabe geht alles glatt, niemand regt sich über deinen Textvorschlag mehr auf, will es anders haben? Dann werden voraussichtlich auch deine Leser:innen einschlafen. Denn gute Texte regen Menschen an und manche eben auch auf. Unsere Zielgruppe erreichen wir nur, wenn wir das limbische System aktiveren - das Zentrum der Emotionen im menschlichen Gehirn. Inhalte, die nur durchs Großhirn wandern, sind ganz schnell vergessen und führen zu keiner Reaktion bzw. Handlung.

Alte Hasen scheuen das Risiko der Kritik nicht. Sie wissen, wie weit sie gehen können. Sie übertreiben es nicht, brechen keine Tabus - und bringen Menschen trotzdem zum Nachdenken und Diskutieren. Dafür nutzen sie starke Bilder, Gegenüberstellungen und Thesen. Eine lahme Ente möchte es allen recht machen und vermeidet starke Emotionen. Sie nutzt unbewusst weichgewaschene Formulierungen und Floskeln, über die sich niemand mehr aufregt.

Grund sind starre interne Strukturen oder die Angst vor Shitstorms. Manche haben nach großem Kampf aufgegeben, andere haben sich unbewusst angepasst.


Freu dich über jede Kritik!

Sie ist ein deutliches Zeichen, dass sich jemand mit deinen Aussagen beschäftigt hat. Überlege aber vorab genau, was du mit deinem Text erreichen willst und kommuniziere dies im Freigabeprozess. Eigne dir gute Argumente an, um deinen Text entsprechend zu "verkaufen".
Unser Textwende-Maß® kann dir dabei helfen.


3. Sich neuen Medien und Tools verweigern

Naive Begeisterung für alles Neue, Digitale und Soziale: Das ist eher eine Sache für  Frischlinge. Wir alten Hasen dürfen - nein, müssen sogar kritisch sein. Wir dürfen uns einmischen, Fehler machen und manches doof finden.

Was wir jedoch nicht tun sollten: uns einzelnen Medien oder Tools komplett verweigern. Journalist:innen, die Twitter meiden, Social Media-Manager:innen ohne Monitoring-Tools oder interne Kommunikator:innen, die kategorisch die Kommentarfunktion ausschalten: Sie alle sind auf dem Weg, lahme Enten zu werden. Warum? Alte Hasen sind stets wachsam. Sie wollen ihr Umfeld kennen und entwickeln Strategien, um gerüstet zu sein. Lahme Enten bleiben hingegen lieber im eigenen Gewässer, auch wenn sie wissen, dass dieses irgendwann trockengelegt wird.


Spring über deinen Schatten und mische auf allen Kanälen mit - auch, wenn sie dir nicht liegen.

Probiere Tools aus und lass nicht locker, wenn der Erfolg nicht sofort eintreten will. Die Technik und das Nutzerverhalten ändern sich rasant. Deshalb heißt es, dabei zu sein und wenn nur still beobachtend.


Hast du das Gefühl, manchmal schon wie eine Ente herumzuwatscheln?

Mach dir keine Sorgen. Egal, wie verkrustet die Strukturen in deinem Unternehmen sind - solange du noch für das Schreiben brennst, solange du noch etwas bewirken willst, bist du keine lahme Ente. Du hast nur Schwimmflossen an.

Unser Tipp: Tausche dich mit anderen erfahrenen Kommunikator:innen und Texter:innen aus - zum Beispiel in unserer Schreibwerkstatt.

Ania Dornheim

ist Partnerin bei Textwende und seit über 20 Jahren als Kommunikationsberaterin, Trainerin, Coach und Texterin aktiv. Sie berät zusammen mit Sabine Krippl und ihrem Team Unternehmen bei der internen und externen Kommunikation und bildet Textcoaches aus.

 

 

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