ChatGPT: Mensch, das kannst du besser!

Der neuen Chatbot von open.ai formuliert in Windeseile gefällige Texte. Die KI hält uns damit den Spiegel vor: Denn Texte, die von Menschen geschrieben werden, sind viel zu oft genauso blutleer wie die Bot-Varianten. Ein Plädoyer für eine bessere Ausbildung im Schreiben.

Ein Roboter sitzt am Schreibtisch und schreibt

Seit zwanzig Jahren bin ich Schreibtrainerin und berate Unternehmen bei der schriftlichen Kommunikation. Genauso lange wundere ich mich darüber, wie wenig uns Schule, Ausbildung und Studium auf das Schreiben im Beruf vorbereiten. Zugegeben, ein bisschen froh bin ich darüber auch – sonst wäre ich schließlich arbeitslos.

Gestern Abend fragte mich mein Mann, ob genau dies nun bald doch der Fall sein könnte.

„Wenn die künstliche Intelligenz schreibt wie der Mensch, braucht doch keiner mehr ein Schreibtraining, oder?“, frotzelte er.

 

Klar ist: Die KI ist nicht mehr wegzudenken und wird weitere Aufgaben übernehmen.

Schon jetzt nutzen viele Unternehmen Textgeneratoren wie zum Beispiel GPT-2, ebenfalls ein Produkt von open.ai. Wetterberichte, Serviceanfragen, Produkttexte – in vielen Bereichen werden Texte von der KI produziert, ohne dass wir dies überhaupt mitbekommen. Mit der neuen Generation kommuniziert der Bot nun auch in individuellen Situationen wie ein Mensch.

Dort, wo Empathie, Kreativität oder Weitblick gefragt sind, kommt ChatGPT an seine unnatürlichen Grenzen. Dort sind wir Menschen im Vorteil - theorisch zumindest.

In der Praxis müssen wir erst beweisen, dass wir es besser können als ChatGPT und seine Schwestern und Brüder.

Wo sind die Texte,

  • die berühren
  • die zum Nachdenken, Schmunzeln und Handeln bewegen
  • die überraschen
  • die Interaktion auslösen und dadurch in Erinnerung bleiben
  • die Akzeptanz schaffen
  • die schwierige Zusammenhänge auf das Wesentliche reduzieren
  • die zeigen, wie das Unternehmen tickt, das sie vertreten?

Was ist ChatGPT?

ChatGPT ist ein Sprachgenerierungsmodell von openai. Es kann in Chatbots und andere Anwendungen eingesetzt werden und ermöglicht natürliche Sprachkonversationen.


Neu zu Vorgängermodellen:
ChatGPT versteht die Absicht des Benutzers besser. Der Bot kann zurzeit kostenlos genutzt werden.
Allerdings ist eine Anmeldung notwendig und der Datenschutz nicht gewährleistet.

Link zu ChatGPT

Geben wir es zu: Solche Texte sind rar.

Den meisten Menschen fehlt schlicht und einfach das Know-how. Sie haben nicht gelernt, zielgruppengerecht zu texten, mit Worten zu berühren oder zu überraschen. Mehr noch: Vielen fällt es schwer, komplexe Zusammenhänge runterzubrechen oder schriftlich wertschätzend zu kommunizieren. Sie sind weder zu dumm, noch zu faul dazu. Sie spüren zwar, dass es besser geht, wissen aber nicht wie.

In unserer Schreibwerkstatt erleben wir immer wieder, wie Teilnehmenden aufblühen und Texte schreiben, die kein Bot der Welt verfassen könnte. Damit ist aber noch lange nicht gesichert, dass sie es in Zukunft auch tun werden. Denn oft spielt das eigene Unternehmen nicht mit.

Die Textproduktion in Unternehmen ist erschreckend unprofessionell:

  • Briefings bleiben oberflächlich, Ziele, Inhalte und Medien werden nicht hinterfragt
  • Content-Strategien fehlen oder werden nicht konsequent umgesetzt
  • In der Freigabe entscheidet die Hierarchie und der Geschmack einzelner
  • Qualitätschecks und Monitoring sind äußerst selten.

 

Vielen Unternehmen fehlt das Bewusstsein, was sie mit besseren Texten erreichen könnten.

Oder sie haben nicht den Mut, aufmerksamkeitsstark zu kommunizieren. In einigen Führungsriegen lautet die Devise noch immer: "Lieber nicht auffallen."
Solange der Bot noch negativ auffiel, mussten Kommunikator:innen nichts befürchten.

Die neue KI-Generation hat dazu gelernt. Wir Menschen nicht.

Was überrascht, da eine individuelle Kommunikation längst der entscheidende Faktor für den Erfolg eines Unternehmens ist. Fachkräfte gewinnen, Mitarbeitende und Kund:innen binden, Shitstorms vermeiden: Für all das braucht es Mitarbeitende, die schreiben können und sich entfalten dürfen.
Nicht auf Schul- oder Ausbildungsniveau und auch nicht akademisch-korrekt. Im Job zu schreiben, verlangt sehr viel mehr als wir in der Schule, im Studium oder in der Ausbildung lernen.

Über all das sprach ich gestern mit meinem Mann. Ich redete mir die Ohren heiß:

„Die KI schreibt nur so gut, wie der Mensch sie mit Ideen füttert. Und der Mensch kann die KI nur anleiten, wenn er selbst schreiben kann."

Der Göttergatte grinste. „Dann baut die KI doch in eure Trainings ein“, sagte er. "Die Idee hätte von mir sein können", antwortete ich.

Unsere Schreibtrainings - in Zukunft ist ChatGPT dabei

Wir zeigen euch, wie Ihr ChatGPT bei der Planung und Umsetzung eurer Texte einsetzen könnt. Spielerisch und produktiv.
Wenn beide - Mensch und Maschine - ihre Fähigkeiten einsetzen und sich ergänzen, werden wir eine wahre Revolution in der Kommunikation erleben.

Noch sind wir ganz am Anfang. Hier eine erste kleine Ideenliste, welche Themen wir in den Trainings aufgreifen können:

  • Besser als Google: Mit ChatGPT recherchieren
  • Die KI briefen: So bekommt ihr einen guten Rohtext
  • Schritt für Schritt zu besseren Texten: Mensch und Maschine im Einklang
  • Was die KI nicht kann (und wie ihr dies euren Führungskräften vermittelt

Würden euch diese Punkte interessieren? Wärt ihr dabei? Erzählt uns, wie ihr über KI und den Einsatz in eurem Unternehmen denkt. Die Diskussion ist wichtig und fruchtbar. Wir werden auch in unseren Schreibgesprächen, unserem Podcast, immer wieder darauf zu sprechen kommen.


Das Gesicht in diesem Gemälde wurde durch KI so verändert, dass es einer lebenden Person gleicht

Kleiner Nachtrag

Dieser Text wurde noch ganz ohne KI geschrieben. Dafür mit Hilfe des Göttergatten, der wieder bewiesen hat, dass er nicht zu ersetzen ist. Dank künstlicher Intelligenz kann ich euch vom besten Ehemann der Welt sogar einen "Avatar" liefern. (Einem echten Foto hätte er sicher nicht zugestimmt).

Wir hatten die Wahl: Elf, Monster oder Teil eines Gemäldes. Auch hier zeigte sich: Der Mann hat Geschmack. :-)

 

 

Ania Dornheim

ist Partnerin bei Textwende und seit über 20 Jahren als Kommunikationsberaterin, Trainerin, Coach und Texterin aktiv. Sie berät zusammen mit Sabine Krippl und ihrem Team Unternehmen bei der internen und externen Kommunikation und bildet Textcoaches aus.

 

 

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