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Lieber fauler Freund ...

Schon unsere Ur-Ur-Ahnen zerbrachen sich den Kopf darüber, wie sie ihre Korrespondenz ansprechend formulieren und suchten Rat bei Menschen und in Büchern.

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Früher war vielleicht alles besser - aber auch viel komplizierter!

So mussten sich unsere Ur-Uhr-Ahnen beim Briefeschreiben zum Beispiel den Kopf über die korrekte Anrede von Geistlichen, Adeligen, Militär und Beamten zerbrechen.

Viele Schreiber wussten nicht, wann sie es mit einem "hochgeborenen", "hochwohlgeborenen" oder "hochwürdigsten" Herrn zu tun hatten und ob sie selbst ein "allerunterthänigster" oder "unterthänigster" Absender sind.

So entstand ab dem 17. Jahrhundert vor allem in Deutschland eine Flut an Ratgeberliteratur, die sogenannten Briefsteller. Wiederentdeckt - ein Briefratgeber aus dem 19. Jahrhundert Für alle anderen Anlässe - geschäftlich und privat - lieferten Briefsteller wie der von L. Kiesewetter, Erstausgabe 1847, ebenfalls das richtige Wort im passenden Ton.

Unsere Texterin, Charlotte Hunecke, entdeckte eine Ausgabe dieses spannenden Werkes kürzlich beim Aufräumen. Wo wir heute kurz und präzise formulieren, wurde oft ausufernd fabuliert:

"Lieber fauler Freund" empfiehlt Kiesewetter denjenigen zu rügen, der einer Einladung nicht folgt, sprich, seine "stabile Lokomotive nicht in Gang" bringt. An anderer Stelle lockt der Schreiber "flinke Tänzer und heitere Männer" mit einer "reichlichen Auswahl tanzlustiger Mädchen" zum Hausball."Die elektrische Drahtpost gewinnt im Verkehrsleben an Bedeutung"

Praktische Tipps zur Geschäftskorrespondenz gibt es auch für Telegramme, schließlich "gewinnt die elektrische Drahtpost im Verkehrsleben eine immer höhere Bedeutung". Ernst wird es bei Mahn- und Beschwerdebriefen, sentimental-geschäftsmäßig bei Briefen zu Liebe, Heirat und Trennung. Ob geplatzter Schuldschein oder geplatzte Verlobung: Der Briefsteller hilft!

Wir empfehlen angelegentlich die Lektüre. Zum Amüsement und zur weiteren Zerstreuung. Gehorsamst: das textwende-Team

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