Schreibtipps

Schreiben, um zu wachsen: 5 Techniken für die Krisenbewältigung

Hast du gerade Sorgen? Bist du angespannt? Oder langweilst du dich daheim? Ania stellt dir 5 Schreibtechniken vor, die ihr in solchen Momenten helfen. Ein Blog-Beitrag abseits der üblichen Textwende-Tipps. Denn was ist momentan schon "üblich".

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Mit Freunden treffen, ins Kino gehen, Fußball schauen: Vieles, was unserer Psyche hilft, ist derzeit nicht möglich. Dabei bräuchten wir die Nähe und Ablenkung gerade jetzt, wo die Unsicherheit groß und die Situation belastend ist.

Negative Gedanken und einengende Glaubenssätze haben jetzt leichtes Spiel. Sie nisten sich im Kopf ein und lassen uns zweifeln, hadern, zögern. Wir werden unzufrieden und unleidlich.    

In solchen Momenten schreibe ich viel. Ich gebe zu: Ich schreibe auch viel, wenn ich glücklich, zuversichtlich und voller Tatendrang bin. Jedoch ganz anders - mit anderen Zielen und anderen Techniken.

Als Schreibtrainerin vermittele ich Techniken, mit denen wir Leser erreichen: Techniken für gute Headlines, für einen spannenden Einstieg etc.

Als Privatperson nutze ich Schreibtechniken, um mich selbst zu erreichen: Techniken, um die Perspektive zu ändern, mich und meine Gefühle besser zu verstehen. Techniken, um zu wachsen, um zufriedener zu sein.

5 dieser Techniken stelle ich dir heute vor. Wie immer gehört ein wenig Übung dazu, bevor die Wirkung spürbar ist. Wichtig ist, dass du dich selbst nicht zensierst: Schreibe auf, was dir durch den Kopf geht. Egal, wie wirr es für dich selbst klingt. Achte nicht auf "guten" Stil oder Rechtschreibung. Du schreibst nur für dich.


 
1. Diskussion mit dem "inneren Team"

Schreibe das Thema auf, das dich gerade belastet oder bewegt.
Was fühlst oder denkst du, wenn du den ersten Satz liest, den du geschrieben hast? Hast du widerstreitende Gedanken? Schreibe den ersten Gedanken direkt auf. Lass nun alle anderen Stimmen in dir zu Wort kommen: Die traurige, wütende, die vernünftige, die mütterliche, die ängstliche, die freundliche usw. Du kannst sie miteinander sprechen lassen oder einfach die Gedanken nacheinander aufschreiben. Allein dadurch, dass du diese unterschiedlichen Gedanken zulässt und aufschreibst, verändert sich vermutlich deine Haltung. Oft bin ich danach ausgeglichener - denn ich hab mich "ausgesprochen" - so kann ich den Dingen gelassener oder sachlicher begegnen.

 

2. The Work von Byron Katie

Wenn dich eine Situation belastet und du das Gefühl hast, ihr ausgeliefert zu sein, können die vier Fragen von Byran Katie eventuell helfen. "The Work" ist eine Technik, mit der wir negative Gedanken auflösen können.
Auch hier ist es sehr wichtig, dass du den Gedanken  aufschreibst und die vier Fragen von Katie schriftlich beantwortest. Ein solcher Gedanke könnte sein: Meine Chefin ist unmöglich. Sie will mich nur schikanieren mit ihren vielen E-Mails oder Mein Mann sollte sich viel mehr um die KInder kümmern, er liegt nur faul herum usw.


Frage 1: Ist das wahr?
Frage 2: Kannst du mit absoluter Sicherheit sagen, dass es wahr ist?
Frage 3: Wie fühlst du dich, wenn du diesen Gedanken glaubst?
Frage 4: Wie würdest du dich fühlen, wenn du diesen Gedanken nicht glaubtest?

Der Clou ist die darauffolgende Umkehrung des Ausgangsgedanken. Denn oft steckt in dieser Umkehrung ein guter Lösungsansatz. Die Umkehrung ist zugleich auch das schwierigste. Meine Empfehlung: Lies zunächst das Buch "The Work" von Byron Katie. Einen ersten Einstieg in diese Technik findest du hier. https://www.ruedebusch-gedankencoach.de/the-work/byron-katie-4-fragen/

 

3. Brief an ...

Eine sehr einfache und sehr wirkungsvolle Technik ist, einen Brief an jemanden zu schreiben, dessen Meinung einen interessiert bzw. dem man mal die Meinung sagen will. Den Brief musst du gar nicht versenden - es geht um die Auseinandersetzung mit dieser Person und deinen Gefühlen ihr gegenüber.


Mögliche Adressaten:
- Mutter oder Vater (egal, ob sie/er noch lebt)
- das Alter Ego in 20 Jahren
- die Kinder (egal ob noch nicht geboren oder schon aus dem Haus)
- der Partner (Ex-/bestehenden/zukünftigen)
- die/der Freund_in (aus Kindeszeiten/einem fiktiven etc.)
- Kolleg_innen (auch hier: bestehende / fiktive etc.)
- einer Führungskraft (wie sie ist, wie man sie sich wünscht usw.)
....

Schreib dieser Person oder Gruppe, was du ihr schon immer mal sagen wolltest oder was dir jetzt spontan zum ersten Mal einfällt: Schonungslos und ehrlich. Schreib dir alles von der Seele. Du kannst den Brief danach symbolisch verbrennen, ihn aufbewahren und vornehmen, später etwas daraus umzusetzen. Ob du es tust, ist ganz egal. Es aufgeschrieben zu haben, ist was zählt. Und was dich verändert.


4. Traumreise

Eine meiner Lieblingstechniken: Ich schreibe mir die Welt gern, wie sie mir gefällt (ein wenig Pippi Langstrumpf steckt in jedem von uns). Ich erzähle ausführlich, wie ich sehr souverän mit einer bevorstehenden Heraufforderung umgehe, wie ich etwas neugierig erkunde, das mir Angst macht, was ich tue, wenn eine bedrohliche Situation endlich vorbei ist ...
Die Traumreise soll Spaß machen. Das ist wichtig. Wenn du anfängst und dich dabei nicht wohlfühlst, hör einfach auf. Versuche es aber immer mal wieder. Es lohnt sich.

 

5. Clustern

Du hast wenig Zeit oder schreibst nicht gerne viel? Dann ist diese Technik ideal. Schreibe einen Begriff in die Mitte eines Blattes, der dich gerade beschäftigt. Nun überlege, was dir spontan bei diesem Begriff einfällt - schreibe dieses Wort daneben - welchen Gedanken hast du, wenn du an diesen neuen Begriff denkst? Schreibe auch diesen auf und verbinde die Begriffe miteinander. So entsteht eine Assoziationskette. Wenn dir nichts mehr einfällt, kehre zurück zum Ausgangsbegriff und suche nach einer neuen Assoziation. Nach einer Weile verändert sich dein Blick auf den Ursprungsbegriff. Kreise die Wörter ein, die dir gut tun und verweile ein wenig darauf. Du wirst staunen, was für neue, oft interessante Gedanken und Ideen dabei entstehen.

 

Nutzt du andere Schreibtechniken zur Reflexion? Dann berichte doch in den Kommentaren davon. Ich freu mich über eure Erfahrungen und Ideen.

Ania Dornheim

... ist seit 20 Jahren als Kommunikationsberaterin, Trainerin, Coach und Texterin aktiv. Sie berät Unternehmen bei der internen und externen Kommunikation und bildet mit ihrem Team Basic-Content-Manager und Textcoaches aus.    

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