"Es wird einmal ..." Wie Sie mit Geschichten den digitalen Wandel sichtbar machen

Kindern erzählen wir Geschichten, damit sie die Welt verstehen. Im digitalen Wandel sind wir die Kinder. Wo sind unsere Geschichten? Warum Storytelling mehr ist als eine Marketing-Strategie.

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Stellen Sie sich vor, Sie sind Rennfahrer und bestreiten das Rennen Ihres Lebens. Nach mehreren Runden gehören Sie zur Spitzengruppe, Ihr Motor brummt, Ihre Erfahrung zahlt sich aus. Auch auf Ihr Team können Sie sich verlassen. Jeder Handgriff sitzt – beim Reifenwechseln, Tanken, Motorcheck.

Da steigt Nebel auf. Doch Sie können Ihr Tempo halten, denn noch reicht die Sicht. Aber plötzlich reißt an einigen Stellen die Fahrbahndecke auf. So etwas haben Sie noch nie erlebt. Sie fahren mit hoher Geschwindigkeit über die Löcher - die Reifen halten. Doch immer mehr Risse entstehen und die Fahrt wird immer ungemütlicher. Im Rückspiegel - noch weit entfernt, sehen sie kleine, seltsam geformte Fahrzeuge, die über die Fahrbahndecke zu schweben scheinen.

Was tun Sie?

1. Weiterfahren und darauf vertrauen, dass sich der Nebel lichtet. Diese winzigen Dinger im Rückspiegel können Ihrem hochentwickelten Rennauto sowieso nicht gefährlich werden.

2. Stoppen, aussteigen und sich beschweren, wie unfair ein solches Rennen ist. Die Disqualifizierung der kleinen Fahrzeuge fordern.  

3. Weiterfahren. Ihrem Team die Situation beschreiben und sie bitten Ihr Auto zum Schweben zu bringen.

Auswertung:

Antwort 1: Der Rennfahrer wird das Rennen verlieren, denn die Rennbahn wird aufgrund der Risse für Fahrzeuge bald nicht mehr befahrbar sein.

Bei Antwort 2 verliert der Fahrer viel Zeit und ist auf die Entscheidung anderer angewiesen. Die Erfolgsaussichten sind gering, denn es gibt bei diesem Rennen keine Regel, die das Schweben verbietet.

Die dritte Antwort verlangt Unmögliches: Wie sollen Ihre Spezialisten für Reifen oder Motoren Ihr Fahrzeug zum Fliegen bringen?  Und das während Sie fahren! Und warum sollte Ihr Team so etwas Wahnwitziges überhaupt versuchen? Sie gehören schließlich noch immer zur Spitzengruppe.

Warum aber dann diese Geschichte?

Viele Unternehmenslenker sind heute in der Rolle dieses Rennfahrers. Ihr Geschäft läuft - doch die Bedingungen werden immer schwieriger. Wer kann vorhersagen, wie sich die Technik in den nächsten zwanzig Jahren entwickelt? Kundenerwartungen und Kundenverhalten ändern sich rasant und das durch Werbung teuer erworbene Image bekommt Risse. Denn durch Bewertungstools und Social Media werden umständliche Prozesse und fehlender Service für Kunden sichtbar. Startups bieten Kunden innovative Lösungen.  

Die Parabel des Rennfahrers zeigt, wie enorm schwierig die Herausforderung für Unternehmen ist. Sie macht Führungskräften deutlich, dass Aussitzen oder Klagen keine Optionen sind. Und sie zeigt, dass es nicht reicht, das eigene Geschäft aufzurüsten. Auch bessere Reifen oder ein schnellerer Motor helfen nicht, wenn die Fahrbahn wegbricht. Es geht vielmehr darum, sich neu zu erfinden - fliegen zu lernen.

Es braucht Abenteurer und Helden

Die Geschichte hilft Unternehmenslenkern auch, geeignete Mitarbeiter für diese große Herausforderung zu gewinnen. Denn Abenteurer, Pioniere, Spieler und Tüftler im Team werden sich von ihr herausgefordert fühlen. Sie bekommen die Chance, etwas ganz Neues zu entwickeln, sich auszutoben, querzudenken.

Entwickelt das Team z. B. in einem Innovation-HUB einen Lösungsansatz, lässt sich dieser Ansatz mit Hilfe der Parabel auch anderen Mitarbeitern vermitteln. Denn die Geschichte vom Rennfahrer ist ja nicht zu Ende erzählt. Die Umsetzung kann als spannende oder auch humorvolle Serie erzählt werden -  in denen die Helden mal vorankommen, mal scheitern - Ende offen.

 

 

Geschichten helfen, Änderungen anzunehmen

Die Digitalisierung verlangt neue Konzepte, neue Denkweisen, neue Fähigkeiten.

In einer Geschichte werden diese erlebbar - sie nehmen uns den Schrecken. Genau wie unsere Kinder brauchen auch wir Geschichten, um mit neuem, ungewohnten Situationen umzugehen.   Werden im Unternehmen konkrete Maßnahmen umgesetzt, z. B. eine neue Technik eingeführt, die Struktur geändert etc. werden diese Maßnahmen von Mitarbeitern ganz anders wahr- und angenommen. Denn sie konnten die Situation über die Geschichten schon verarbeiten. Manchmal gelingt sogar noch mehr: Mitarbeiter können sich durch die Geschichten ein wenig wie Helden fühlen.  

Wie das funktioniert? Schauen Sie sich einmal einen James-Bond-Film an und steigen Sie danach in einen Aston Martin. Sie werden staunen, was Geschichten bewirken können! Kein Aston Martin in der Nähe?  Dann trinken Sie nach dem Film einfach einen trockenen Wodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt. Funktioniert auch.

In diesen außergewöhnlichen Zeiten haben Unternehmen nur diese Chance: Sie müssen den Erfindergeist aus der Flasche locken, die Fantasie ihrer Mitarbeiter wecken und jene motivieren, die den Reiz des Unmöglichen lieben. Aus den anschließenden Veränderungen können sie ein gemeinsames Abenteuer machen, in dem Unmögliches möglich wird und auch das Scheitern erlaubt ist. Nur so bringen sie sich gegenüber Startups in Position.

Dabei braucht jedes Unternehmen natürlich seine eigene Geschichte. Die Rennfahrer-Geschichte ist ein Beispiel. Wenn Sie „Teammitglied“ sind und das Gefühl haben, ihr „Fahrer“ hat die Auswirkung der digitalen Transformation noch nicht verstanden, können Sie ihn jedoch mit der Rennfahrer-Parabel konfrontieren. Wenn er (oder sie) Lösung eins bzw. zwei bevorzugt, suchen Sie sich besser einen neuen Job.

Die Autorinnen: Ania Dornheim und Sabine Krippl unterstützen mit ihrem Team Unternehmen bei Change Projekten und der Standardkommunikation.

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