Textwende-Blog

Aus unseren Seminaren

Was macht die Routine mit dir? Wie du als Kreative/r deine Power behältst

Du kennst die Themen in- und auswendig? Weißt, was Führungskräfte und Fachabteilungen bei Texten einwenden? Hast den Unternehmens-Sprech verinnerlicht? Herzlich willkommen im Club der alten Hasen. Oder bist du eher eine Ente?

/ /

Nicht falsch verstehen: Bei "alter Hase" schwingt viel Anerkennung mit. Schließlich steht der Begriff für "gewieft und clever sein". Du hast also etwas drauf, hast etwas geleistet, dich ausgezeichnet. Die Redewendung stammt aus der Zeit, in der vor allem Hasen bei der Jagd geschossen wurden - so dass nur sehr flinke und kluge Tiere alt wurden. Auch der Ausdruck "Wissen, wie der Hase läuft" rührt hierher.

Kreative haben jedoch ein erhöhtes Risiko im "Alter" zu lahmen Enten zu mutieren.

Schuld ist die Routine. Der alte Hase (auch die alte Häsin) ist clever und weiß, wie man ins Ziel kommt. Die lahme Ente (auch der lahme Enterich) hingegen ist nur noch routiniert: Ihre Texte gehen in der Informationsflut unter.

Kafkas "Gregor Samsa" erwacht eines Tages als riesengroßer Käfer. Die Transformation vom alten Hasen zur lahmen Ente hingegen ist schleichend und kann jeden befallen ...

 

Doch es gibt Warnsignale

 

1. Kaum noch Schreibblockaden

Schnell und ohne Mühe einen knackigen, lebendigen und spannenden Text formulieren: Klingt zu schön, um wahr zu sein? Tatsächlich gelingt das äußerst selten. Denn um ein Thema auf neue, interessante Weise erzählen zu können, braucht es diese Phase des Stockens: Ein sich Unwohlfühlen, Herantasten, Ausprobieren, Verwerfen ...

Alte Hasen wissen, bei welchen Themen es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen und bei welchen nicht. Die lahme Ente zieht stets die gewohnten Register und formuliert schnell und einfach einen gefälligen Text. Diesem fehlt es jedoch zwangsläufig an Tiefe und Originalität.

Feiere jede Schreibblockade! Sie ist ein deutliches Signal für deine Schaffenskraft, für deinen Willen, deine Leser zu begeistern. Kreiere ab und an Blockaden - zum Beispiel, indem du dir selbst verbietest, wie gewohnt einzusteigen.

 

2. Friede-Freude-Eierkuchen bei der Freigabe

Bei der Freigabe geht alles glatt, niemand regt sich über deinen Textvorschlag mehr auf, will es anders haben? Dann werden voraussichtlich auch deine Leser einschlafen. Denn gute Texte regen Leser an und manche auf. Unsere Empfänger erreichen wir nur, wenn wir ihr limbisches System aktiveren - das Zentrum der Emotionen im menschlichen Gehirn. Inhalte, die nur durchs Großhirn wandern, sind ganz schnell vergessen und führen zu keiner Reaktion bzw. Handlung.

Alte Hasen scheuen das Risiko der Kritik nicht. Sie wissen, wie weit sie gehen können. Sie übertreiben es nicht, brechen keine Tabus - und bringen ihre Leser trotzdem zum Nachdenken und Diskutieren. Dafür nutzen sie starke Bilder, Gegenüberstellungen und Thesen.

Eine lahme Ente möchte es allen recht machen und vermeidet starke Emotionen. Sie nutzt unbewusst weichgewaschene Formulierungen und Floskeln, über die sich niemand mehr aufregt.
Schuld sind starre interne Strukturen oder die Angst vor Shitstorms. Manche haben nach großem Kampf aufgegeben, andere haben sich unbewusst angepasst.

Freu dich über jede Kritik! Sie ist ein deutliches Zeichen, dass sich jemand mit deinen Aussagen beschäftigt hat. Überlege aber vorab genau, was du mit deinem Text erreichen willst und kommuniziere dies im Freigabeprozess. Eigne dir gute Argumente an, um deinen Text entsprechend zu "verkaufen". Unser Textwende-Maß(R) kann dir dabei helfen.

 

3. Sich neuen Medien und Tools verweigern

Naive Begeisterung für alles Neue, Digitale und Soziale: Das ist eher eine Sache für  Frischlinge. Wir alten Hasen dürfen - nein, müssen sogar kritisch sein. Wir dürfen uns einmischen, Fehler machen und manches doof finden.

Was wir jedoch nicht tun sollten: uns einzelnen Medien oder Tools komplett verweigern. Journalisten, die Twitter meiden, Social Media-Manager ohne Monitoring-Tools oder interne Kommunikatoren, die kategorisch die Kommentarfunktion ausschalten: Sie alle sind dabei lahme Enten zu werden. Warum? Alte Hasen sind stets wachsam. Sie wollen ihr Umfeld kennen und entwickeln Strategien, um gerüstet zu sein. Lahme Enten bleiben hingegen lieber im eigenen Gewässer, auch wenn sie wissen, dass dieses irgendwann trockengelegt wird.

Spring über deinen Schatten und mische auf allen Kanälen mit - auch, wenn sie dir nicht liegen. Probiere Tools aus und lass nicht locker, wenn der Erfolg nicht sofort eintreten will. Die Technik und das Nutzerverhalten ändern sich rasant. Deshalb heißt es, dabei zu sein und wenn nur als stiller Beobachter.

 

Hast du das Gefühl, manchmal schon wie eine Ente herumzuwatscheln?

Mach dir keine Sorgen. Egal, wie verkrustet die Strukturen in deinem Unternehmen sind - solange du noch für das Schreiben brennst, solange du noch etwas bewirken willst, bist du keine lahme Ente. Du hast nur Schwimmflossen an.

Tausche dich mit anderen erfahrenen Kommunikatoren und Textern aus - und lass die Frischlinge häufiger die Routinearbeit machen. Berichte uns von deinen Erfahrungen: hier im Blog, auf Twitter oder Facebook oder Instagram. Vielleicht treffen wir uns auch einmal auf einem Barcamp im Rheinland oder den SCM-Praxistagen.

Ania Dornheim

... ist seit 20 Jahren als Kommunikationsberaterin, Trainerin, Coach und Texterin aktiv. Sie berät Unternehmen bei der internen und externen Kommunikation und bildet mit ihrem Team Basic-Content-Manager und Textcoaches aus.    

Zum Textwende-Team

Der Artikel hat Ihnen gefallen? Jetzt teilen!

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit.
Wir freuen uns über jeden Kommentar.

Thomas Vertius

Thomas Vertius
Dass Schreibblockaden und Kritik jung halten ist ein guter Hinweis. Danke dafür. Was die Medien angeht, bin ich anderer Meinung. Alte Hasen sollten wissen, wenn etwas nicht funktioniert und sich den Aufwand sparen.

07.05.2019 / 21:45 Uhr

Ania Dornheim

Ania Dornheim
Hallo Thomas,

das habe ich auch lange gedacht. Doch was sich heute nicht lohnt, kann morgen eine große Chance sein - da sich alles so schnell ändert.

08.05.2019 / 19:43 Uhr