Textfreigabe

Zwischen den Welten

Im Netz reden alle von Chatbots, digital Workplace oder Customer Experience. Im Büro kämpfen Texter um ganz banale Dinge: Zum Beispiel um kurze Sätze.

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In den letzten Wochen habe ich viel gelesen. Vor allem Blogbeiträge zum digitalen Wandel.  Der Grund meiner Recherche: Sabine Krippl und ich schreiben zurzeit ein Buch. Es richtet sich an alle, die im oder für Unternehmen Texte verfassen bzw. verantworten.

Jetzt denken Sie wahrscheinlich: Dazu gibt es aber schon ziemlich viel Literatur. Und Sie haben recht. Doch der „digitale Wandel“ ändert nicht nur „was“ und „wie“ wir schreiben. Er verlangt auch eine andere Haltung und einen anderen Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen: Texter müssen mehr Verantwortung übernehmen. Inhalte einfach aufpeppen, reicht nicht mehr.

Die meisten Bücher und Beiträge blicken weit nach vorn: Was ändert sich durch die Digitalisierung? Welche Tools gibt es? Wie setzt man sie am besten ein? Im Marketing zum Beispiel sind „Chatbots“ ein großes Thema.  Klaus Eck beschreibt auf pr-blogger.de, was Künstliche Intelligenz (KI) in Zukunft leisten wird: „Mehr Aufmerksamkeit durch personalisiertes Content Marketing.

Doch so spannend diese Entwicklungen und Möglichkeiten sind: In vielen Unternehmen schlagen sich Kommunikatoren mit anderen Themen herum.  

Der Alltag ist noch ziemlich analog: Die neue Kampagne landet nur nach langen Diskussionen mit Fachabteilungen und tausend Änderungen auf der Website. Für ein kanalübergreifendes Storytelling fehlt dem Marketing der Input der Kollegen. Und der Vorstand lässt sich von seiner Vorliebe für 40-Wörter-Sätze einfach nicht abbringen.

Den Mitarbeitern in der internen Kommunikation geht es nicht anders: Auf Fachtagungen staunen sie über neue Features und hören, dass aus Social Intranet bald ein „digital Workplace“ wird. Zurück im Büro redigieren sie dann Texte, die so niemand braucht, aber einer so im Netz stehen haben will. Die Kommentarfunktion stellen sie lieber blind – eine Diskussion kommt halt zu selten auf.

Wie aber schaffen sich Texter Gehör?

Unsere Kunden und Seminarteiler wissen, dass die digitale Transformation eine neue Form der Kommunikation verlangt: glaubwürdiger, vernetzter, emotionaler und mit Mehrwert für den einzelnen Kunden. Doch oft rennen sie noch gegen Betonmauern, werden mit ihren Ideen nicht gehört oder haben längst aufgegeben. 

Dass es auch anders gehen kann, zeigt ein Best-Practice-Beispiel. Kerstin Lindermann von der Versicherungskammer Bayern berichtet in einem Interview auf CMO: "In der Marketingabteilung sehen wir uns als Kundenversteher und Stimme des Kunden im Haus."

Genau das ist ein wirkungsvoller Ansatz und der wichtigste Schritt für die eigene Transformation. Ob Marketingleiter, Qualitätsmanager oder interner Kommunikator - alles beginnt beim eigenen Denken.

Digitale Transformation heißt: Verstehen Sie sich als „Anwalt der Kunden“ und nicht mehr als Vermarkter Ihres Unternehmens.

Welche Texte erhält der Kunde zum Beispiel von anderen Abteilungen? Lässt sich der Prozess verbessern? Ich bin immer wieder erstaunt, dass viele Marketingleiter diese Fragen gar nicht stellen.

Der zweite sehr wichtige Schritt: Eine Kommunikationsstrategie entwickeln.

Marcus Bilgeri spricht mir aus der Seele, wenn er im Interview mit Mael Roth schreibt: „Wenn Content Marketing nicht funktioniert, lässt sich das häufig auf einen Mangel an strategischer Tiefe zurückführen“. Diese Aussage lässt sich auch auf die interne Kommunikation übertragen.

Lesenswert ist das Interview auch wegen der sechs W-Fragen, die Bilgeri als Basis für die Kommunikation nennt. Wer eine Antwort auf diese Fragen hat, kann in den täglichen Diskussionen mit Vorgesetzten und Kollegen überzeugen und sein eigenes Standing deutlich verbessern.

 

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?

Unser Buch wird ein Leitfaden für die Praxis sein – er wird Textern helfen, ihre Arbeit konsequent auf die digitale Transformation ausrichten zu können.

Interessiert Sie das Thema? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche Tipps können Sie anderen geben? Wir werden hier im Blog immer wieder von unserer Recherche berichten. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare hier, auf Twitter oder Facebook. Wir sind gespannt.

 

Die Autorin:

Ania Dornheim ist Texterin, Trainerin und Konzeptionerin. Sie unterstützt seit fast 20 Jahren Banken, Versicherungen und Dienstleister bei der Kommunikation von Veränderungs- und Standardprozessen.

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