Aus unseren Seminaren

So aktivieren Sie Teilnehmer im Seminar

Neugierige Augen, eine angeregte Diskussion, aktives, gemeinsames Arbeiten: Das sind die besten Hinweise für ein gelungenes Seminar. Oder andersherum: Sind die Teilnehmer stumm und unbeteiligt, läuft garantiert etwas schief.

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Doch wie lassen sich Teilnehmer für ein Thema begeistern? Wie bringt man sie dazu, sich mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung einzubringen, Neues zu wagen? Fünf Tipps aus der Praxis … 

 

1. Sofort ins Gespräch kommen

Die ersten Minuten im Training sind entscheidend. Stellt der Trainer zunächst sich und die Themen, den Tagesablauf, Pausen und Seminarunterlagen vor, vergehen fünf bis zehn Minuten, in denen die Teilnehmer lernen: Hier muss ich nicht viel tun. Zuhören reicht. Wir bei Textwende starten deshalb mit einer kleinen Frage, einem Zitat oder einer Geschichte und bitten die Teilnehmer sich mit dem Sitznachbarn kurz auszutauschen: Was denken Sie darüber? Was fällt Ihnen dazu ein? Diese erste kurze „Murmelrunde“ wirkt Wunder. Die Teilnehmer werden direkt aktiv, lernen sich ggf. kennen und lachen oft schon miteinander. Ein idealer Start – jetzt sind alle warm gelaufen und neugierig, wie es weitergeht. Der Trainer stellt sich und die Themen vor ... 

 

2. Die Erfahrung der Teilnehmer nutzen

Eine der größten Hürden für Trainer ist die Heterogenität der Gruppe. Für die Erfahrenen in der Runde kann es sehr langweilig sein, wenn der Trainer zunächst Basiswissen am Beamer präsentiert – geht er darauf jedoch nicht ein, fühlen sich weniger erfahrene Teilnehmer schnell überfordert. Die Lösung: Die Strukturlegetechnik. Bei Textwende schreiben wir z. B. Fachbegriffe oder Aussagen auf Moderationskarten und verteilen diese an die Teilnehmer. Auf einer Pinnwand schreibt der Trainer nun zwei Oberbegriffe und bittet die Teilnehmer in Kleingruppen, ihre Moderationskarten gemeinsam einem der Oberbegriffe zuzuordnen.


Der große Vorteil: Seminarteilnehmer können ihr Wissen einbringen und unerfahrenere Teilnehmer lernen von ihnen. Sind sich alle in der Gruppe nicht sicher und ordnen die Moderationskarte falsch zu, bespricht der Trainer die Karte in der großen Gruppe – auch hier kommt meist eine rege Diskussion auf. Der Trainer bekommt damit ein sehr gutes Gefühl dafür, wo die Gruppe steht und auf welchem Wissen er aufbauen kann.

 


3. Erst die Praxis, dann die Theorie


»Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“, philosophiert Mephisto in Goethes Faust. Und tatsächlich ist nichts einschläfernder als die Theorie vor der Praxis zu bringen. Deshalb starten wir bei Textwende immer mit einem konkreten Beispiel, das für alle Teilnehmer spannend ist. Ideal ist ein Best-Practice-Beispiel. So werden die Teilnehmer neugierig: Wie bekommt man das hin? Was ist für dieses Ergebnis notwendig? Und der Boden für die Theorie ist bereitet.

Geschichten und konkrete Beispiele führen auch automatisch zu einer regen Diskussion: Teilnehmer berichten, wie der Prozess bei ihnen läuft, bestätigen die Erfahrungen anderer oder widersprechen der These. Keine Angst vor Gegenwehr: Widerspruch ist fruchtbar – solange der Trainer darauf eingeht und andere Meinungen akzeptiert.


4. Den Prozess steuern – nicht das Ergebnis


Eine heitere, offene Atmosphäre entsteht dann, wenn alle Teilnehmer sich sicher und akzeptiert fühlen. Bei einem Seminar haben viele Teilnehmer unbewusst die Sorge, sich vor der Gruppe blamieren zu können. Entsprechend zurückhaltend und vorsichtig verhalten sie sich. Trainer, die Teilnehmer nur als Stichwortgeber sehen, um das eigene Wissen präsentieren zu können, verstärken die unbewusste Abwehr der Teilnehmer. Vielleicht kennen Sie das noch aus der Schule: Auf die Frage „Was will der Dichter uns mit dieser Zeile sagen“ hatte der Deutschlehrer meist eine konkrete Antwort im Kopf … und war taub für andere kreative Antworten. Frustrierend.


Wenn Sie wollen, dass eine konkrete Sache besprochen wird, präsentieren sie diese als Fakt. Stellen Sie niemals Fragen, um eine ganz bestimmte Antwort zu erhalten. Fragen Sie, um Diskussionen anzuregen und vielleicht sogar selbst etwas Neues zu erfahren. Ihre Teilnehmer werden schnell spüren, dass es bei Fragen kein „Falsch“ und „Richtig“ gibt und sich für Diskussionen öffnen.

 

5. Antworten auf Fragen visualisieren


„Sind Sie damit einverstanden?“ oder „Wie gefällt Ihnen das?“. Die Reaktion auf solche Fragen ist meist sehr verhalten. Denn bei zehn bis zwölf oder mehr Personen, führt der Gruppendruck zur Vorsicht. Vielleicht nicken oder lächeln zwei Teilnehmer oder eine Person antwortet mit einem „Ja“. Widerspruch ist hingegen selten und wenn, kommt er in solchen Gruppen meist von Personen, die Diskussion gerne sprengen. Keine gute Ausgangslage.

Unser Tipp: Holen Sie sich bei solchen Fragen immer die Meinung aller Gruppenmitglieder ein. Dafür gibt es viele Möglichkeiten: Eine Punkteabfrage, rote und grüne Karten, die die Teilnehmer hochheben können, ein kurzes Blitzlicht … So fühlen sich vor allem die Teilnehmer mitgenommen, die in Gruppen eher schweigsamer sind. In Gruppenarbeiten machen diese Teilnehmer dann viel aktiver mit und bringen sich dort besonders intensiv ein.

Mit diesem Beitrag beteiligen wir uns an der Blogparade von BuGaSi zum Thema "Wie sieht ein gelungenes Seminar aus. Vielleicht haben auch andere Trainer Lust, daran teilzunehmen? Das wäre toll!

 


Über die Autorin:


Ania Dornheim ist Texterin und Trainerin aus Leidenschaft. Sprache ist für sie ein faszinierendes Werkzeug, um Menschen zu berühren und zu bewegen. Auch im Training entfacht sie ein Feuer und begeistert die Teilnehmer für ihr Thema. Viele Anregungen für ihre Trainings hat Ania durch ihre Fortbildungen bei Dr. Bettina Ritter-Mamczek erhalten.

Links und Downloads zum Thema:

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