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Unternehmenssprache: erfreulich komisch!

Welche Chancen in neuen und ungewohnten Formulierungen stecken, zeigt diese Anekdote.

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"Das kann man doch nicht schreiben!", ruft die junge Frau im Seminar empört. Ich frage sie: "Warum nicht?"

"Das ist ..., das wirkt", sie überlegt angestrengt: "... das klingt einfach komisch!"

"Komisch?" "Ja, komisch!". Zwei andere Seminarteilnehmer nicken.

Die Formulierung, über die sie soeben ihr Urteil gefällt haben, wird vom Beamer groß an die Wand projiziert: Darf´s noch etwas sein? Rufen Sie uns an!

Ich frage nach: "Komisch hat viele Bedeutungen. Es kann zum Beispiel für merkwürdig oder eigenartig stehen, aber auch lächerlich oder skurril bedeuten. Klingt die Formulierung für Sie merkwürdig oder lächerlich?"

Diesmal muss die Frau nicht lange überlegen: "Na ja, eher merkwürdig und eigenartig, halt nicht typisch für einen Brief". Wieder nicken einige Seminarteilnehmer.

Merkwürdig und eigenartig. "Genau das wollen wir mit diesem Satz erreichen: Der Leser soll sich unsere Nachricht merken und die Eigenart Ihres Unternehmens erkennen."

Die junge Frau runzelt die Stirn. Sie ist, wie alle im Raum, Mitarbeiterin einer großen Lebensmittelkette. Vielen im Haus gefällt der neue Schreibstil des Unternehmens auf Anhieb. Manche müssen umdenken und nehmen nur ungern Abschied von Standards wie "Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung". Auch mancher Kunde wird (wie die junge Frau) zunächst die Stirn runzeln. Doch auch, wenn die neuen Formulierungen ungewohnt klingen, sie erzielen ihre Wirkung - solange sie merkwürdig und eigenartig, aber nicht lächerlich klingen.

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